Auf Abenteuer mit Landys und Zelten
Als wir unseren Freunden und Familie von unserer Reise nach Malawi erzählten guckten uns die meisten ein wenig ungläubig an. „Wohin? Wie heißt das? Malawi? Wo is das denn?“. Als wir dann noch erwähnten, dass wir fast drei Wochen mit dem Zelt unterwegs sein werden, ging gar nichts mehr.

Es ist immer schwierig eine Antwort zu finden wenn jemand fragt: „Was war denn die schönste Reise, die du jemals gemacht hast?“ Alle unsere Reisen bisher waren supertoll und total einzigartig. Malawi wird uns aber immer ganz besonders In Erinnerung bleiben. Wir hatten uns entgegen unserer üblichen Art Urlaub zu machen, nämlich einfach wohin fliegen, Auto mieten und los, diesmal dazu entschieden eine Gruppenreise zu machen. Damals (2010) war Malawi nicht so das übliche Reiseziel und es gab wenig Infrastruktur. Wäre bestimmt ein tolles Abenteuer geworden, aber wir haben uns dann doch für eine geführte Variante entschieden. Olaf hatte nach reichlich Recherche dann auch einen coolen Anbieter gefunden. Es nutzt leider nichts mehr den Namen zu nennen, da es das Unternehmen nicht mehr gibt. Sehr schade, der Chef und unser Reiseleiter Albrecht war wirklich super drauf und wir wollten eigentlich noch öfter mit ihm fahren…

Dieses kleine Land mit dem großen See ist einfach ein Traum. Wir wurden immer sehr warm und herzlich empfangen. Und die Natur, gigantisch! Man hat dort alles. Seen, Strände, Gebirge, Flüsse, Savanne, Wälder, Wasserfälle und und und. Das absolut spektakulärste sind allerdings die Nationalparks und ihr Artenreichtum. Quasi „klein aber oho“. Aus unserer ganz persönlichen Perspektive: ja, es lohnt sich sehr dieses Land zu besuchen und wir würden definitiv nochmal hin! Solltet ihr euch dazu entscheiden empfehlen wir auch zumindest ein paar Tage mit dem Zelt zu reisen. Klar, es ist weit entfernt von Luxus, aber man bekommt die Natur einfach noch einmal ganz anders mit. Was gibt es schöneres als im Rhythmus von Sonne und Mond zu leben!

Da ich (Chris) auf dieser Reise tagesgenau Tagebuch geschrieben habe, bekommt ihr den Text Malawi im Tagebuchstil präsentiert. Zur besseren Orientierung ist es nach unserer insgesamt 22-tägigen Fahrroute gestaffelt (die Hashtags).
Viel Spaß!

Unsere Malawi-Reiseroute in Zahlen:
- knapp 3.000 gefahrene Kilometer
- 2 Kaputte Reifen
- Landrover mit Pilz
- Angriff einer Beißameise
- Viele Stunden Tierbeobachtung
- Millionen nette Menschen
Die Stationen:
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#1 Ankommen in Lilongwe
#2 Luwanga Forest Lodge
#3 Mzuzu – Vwaza Marsh
#4 Nyika National Park
#5 Karonga
#6 Livingstonia Mission
#7 Chinteche
#8 Kuti Community Wildlife Park
#9 Cape MacLear
#10 Liwonde National Park
#11 Zomba Plateau
#12 Mulanje Gebirge
#13 Lengwe Nationalpark
#14 Senga Bay
#15 Abschied in Lilongwe
#1 Ankommen in Lilongwe
Wir haben es geschafft. Der Flug war lang und unbequem. Aber egal, ist ja überstanden. Wir saßen zwischen jede Menge Diplomaten, Politikern und gefühlt in einer Black-Berry Promotionveranstaltung. Quasi jeder der etwas auf sich hielt trug zu seiner Fake oder auch nicht-fake goldenen Rolex mindestens ein Black Berry in der Hand. Am Lilongwe Airport gibt es ein wenig Wartezeit, bis wir am Immigration Point vorbei sind. Danach geht es in die Eingangshalle, wobei die Bezeichnung „Halle“ ein wenig hoch gegriffen ist, es gibt nur ein Gepäckband, da auch nur drei Flieger ankommen: Ethiopian, SAA und Kenya. Natürlich alle gleichzeitig. Bei nur einem Kofferband für alle Flieger wird es dann doch was unübersichtlich.
Die Sache mit den Kwacha
Das Gepäck kommt aber superschnell und wir können weitergehen. Nach etwa fünf Schritten geht es los:„Helloooooo, how are you?“ Die Damen aus den insgesamt vier (!) Geldwechselstuben buhlen um die Gunst eines jeden Reisenden. Nach ein wenig überlegen haben wir uns dann für einen Counter entschieden und 200€ in 41.580 Malawi Kwacha getauscht. Das mit den rauen Mengen Kwacha kennen wir noch aus Sambia, von daher sitzt der Schock über die Gelbündel nicht allzu tief.
Den Guide finden
Nach dem Geld tauschen gehen wir schonmal raus und schauen, ob wir unseren Reiseleiter sehen. Dem ist nicht so, dafür werden wir aber von willigen Taxifahren angequatscht. „Taxi, Taxi, Taxi?“. Gefühlt jeder will uns ein Taxi andrehen. Also geht`s kurzum wieder rein. Wir wissen, dass die restlichen Teilnehmer mit Ethiopian ankommen und warten nun im Gebäude. Eine Anzeigetafel gibt es nicht, von daher positionieren wir uns gut sichtbar im Eingangsbereich. Mittlerweile hatte Albrecht auch schon angerufen und wir telefonieren uns zusammen. Wir verstauen unser Gepäck schnell in einem seiner Landrover (Landys) und warten gemeinsam auf die anderen.

Hellooooooo, Huhuuuuuu!
Es gibt ein Restaurant mit Blick auf die landenden Maschinen. Wir ergattern ein gutes Plätzchen und holen uns ein kaltes Carlsberg. Nach etwa 30-45 Minuten landet die Ethiopian. Die Passagiere steigen aus und das ganze Restaurant flippt aus: „Hellooooooo!“, „Here I am“, „Huhuuuuuuu“ gepaart mit wildem Gewinke und Gekreische. Das nenn ich ja mal Temperament. Gefällt mir. Recht schnell finden wir die anderen Teilnehmer, verstauen alles Gepäck und fahren noch gut eine Stunde zu unserer Homebase.
Campen bei Steve
Wir bekommen eine kleine Führung über das Gelände. Der Besitzer heißt Steven – ein Engländer, der mit Frau und Kind im Haupthaus wohnt. Wir werden quasi im Garten campieren. Zu der Familie zählen noch drei Hausangestellte und zwei Hunde. Einen schwarzen Deutsche Doggen-Mix und ein fuchsfarbenes Allerlei. Auch Albrecht hat ein Zimmer auf dem Gelände und zwei Garagen in denen die Landys und das Equipment „wohnen“. Toiletten und Duschhäuschen gibt’s für die Allgemeinheit, quietschebunt angemalt.
Es folgen die ersten Anweisungen, z.B. dass zuerst eine Plastikplane ins Auto gelegt wird bevor die Rucksäcke reinkommen (wegen der Ameisen, dazu aber später noch) oder wie die Zelte aufgebaut werden. Abends setzten wir noch an die Campingtafel, essen und trinken Bier Wein oder Wasser und lernen uns ein wenig kennen.
#2 Luwanga Forest Lodge
Tägliche Routine
Mir als Ultralangschläfer wird es keiner glauben, aber um 5:00 Uhr bin ich hellwach. Problem: Frühstück gibt es erst um 7:30 Uhr. Ich vertreibe mir die Zeit mit Zusammenpacken und rumtigern. Zum Frühstück kocht Clement (das ist unser Koch, der auch die ganze Zeit mitreist) Nudeln mit Ei, Weißbrot, Honig, Marmeladen, Kaffee und Tee. Das Zusammenpacken und Verstauen der ganzen Klamotten dauert recht lange, so dass wir erst um 11 Uhr loskommen. Wir fahren mit drei Landys. „Freddy“, „Doolittle“ und „Higgins“.

Buntes Treiben entlang der Straße
Wir sitzen mit einer Alleinreisenden, die ca. 2-3 Jahre älter ist als wir in Freddy der von Albrecht gesteuert wird.Es geht erstmal lange auf einer Teerstraße herauf. Neben der Straße herrscht buntes Treiben: Händler mit allerlei Krimskrams stehen am Straßenrand und verkaufen fleißig. Zwischendrin gibt es auch immer Gemüsehändler, die ihre Ware zu kreativen Pyramiden aufgebaut haben, „Metzgereien“ oder kleine Büdchen, in denen man Telefonkarten oder Süßkram kaufen kann. Wir sehen Kinder in Schuluniformen, Frauen in bunten Gewändern die Sachen auf dem Kopf tragen oder Menschen, die Tiere vor sich her treiben.
„Kreative“ Transportmethoden
Es sind recht viele Autos unterwegs, vor allem solche, die Arbeiter auf die Ladefläche – sagen wir mal – aufgeladen haben. Albrecht sagt, dass das ein Auto vom Government war. Aha.. Sehr speziell ist auch ein „Umzugswagen“: Ein Pickup, auf dem ein ganzer Haushalt gepackt wurde. So wüst und wild, dass sich ein etwa zwei Meter hoher Haufen, der irgendwie verhakt und festgezurrt ist, dass er so einigermaßen zusammenhält. Wir sehen erst beim vorbeifahren, dass der Haufen noch von einem Menschen bewacht wird. Kurios. Ein LKW hat mitten auf der Straße sein Getriebe verloren. Um die Stelle zu markieren liegen in etwa 5 Metern Abstand Zweige auf der Straße. Repariert wird auch mitten auf der Straße und – weils was länger dauert, neben dem Wagen gecampt und ein Feuerchen gemacht. Geht alles!
Wir halten kurz an einer Tankstelle, tanken die Landys auf und decken uns noch mit Getränken und Cookies ein. In der nächsten Ortschaft werden wir halten und Mittagspäuschen machen. Olaf und ich helfen Clement beim schnippeln. Es gibt Möhren und Gurke, dazu Brot, Käse, Wurst und ein Schüsselchen Thunfisch. Zu uns gesellen sich ein paar Kids aus der Nachbarschaft. Es geht noch ein paar Kilometerchen weiter bis zu unserem Nachtlager. Auf dem Weg sehen wir viele Motorräder und Fahhräder, die als Taxi verwendet werden. Sitzpolster auf den Gepäckträger, Nummernschild gemalt, fertig ist das Taxi…

Am Straßenrand stehen kleine, runde, gemauerte Häuschen. Ganz ästhetisch gebaut, bunt angemalt und mit Blumenkübeln vor dem Eingang. In einem Haus mit zwei Zimmern wohnt üblicherweise eine 4-5köpfige Familie. Ab und zu werden uns gegrillte Maiskolben entgegengehalten oder gegrilltes irgendwas mit Haut, Haaren und Beinen, vermutlich Ratten. Wir halten – o Wunder – nicht an.Die letzten 15km zur Forest Lodge sind Sandpad. Feinster, roter Sand, der durch die Trockenheit ordentlich Staub aufwirbelt. Und sich – wie sollte es auch anders sein – überall festsetzt.
#3 Mzuzu – Vwasa Marsh
Heute ist Markttag angesagt. Der Markt ist in Mzuzu, der Hauptstadt der nördlichen Region Malawis und die drittgrößte Stadt im Land. Es ist wohl auch die Szene-Stadt mit Restaurants, Bars und Cafés.
Markttreiben in Mzuzu

Der Mzuzu-Market ist recht bekannt, nicht wirklich empfohlen in unserem Reiseführer, aber das ist uns wurscht. Ich stehe total auf trubelige Märkte. Olaf eigentlich auch, wären wir nicht direkt im Fischbereich gelandet. Ihr müsst euch vorstellen: Fast 30 Grad, Millionen Fischhändler mit kleinen mittleren und großen silbernen Fischen, keine Kühlung. Kurz gefasst, es stinkt gewaltig. Wir gehen schnell weiter in den Gemüsebereich. Auch hier ist wieder alles in Pyramidenform gestapelt.
Es gibt Tomaten, Kohl, Bohnen, Gurken, Möhren, Bananen, Jackfruit und vieles mehr. Clement kauft ein wenig Gemüse und Obst ein. Etwas kleiner ist die Textilabteilung, aber trotzdem kann man von Tüchern über Klamotten bis hin zu Schuhen alles für den modischen Ausdruck kaufen.
Auf dem Möbelmarkt wird Gelsenkirchener Barock für kleine Maus verkauft. Außerdem hat es noch einen Abschnitt mit Schneiderei, Elektriker und Reparaturwerkstatt.
Es ist superviel los. Bis auf ein amerikanisches Pärchen, die als Volunteers für eine Organisation vor Ort arbeiten, ausschließlich Locals. Heute ist Malawi touristisch bestimmt schon ein wenig mehr erschlossen, damals gab es wenn überhaupt nur Touristen die mit Overlandern unterwegs waren und nur 1-2 Tage in Malawi halt machten. Aber so ist es auch mal recht angenehm. Nachdem Albrecht einen Reifen in einer Werkstatt hat reparieren lassen geht es weiter zum Lake Kazumi im Vwaza Marsh Wildlife Reserve.
Auf Pirschfahrt im Vwaza Marsh Wildlife Reserve
Im Vwaza angekommen schlagen wir schnell unsere Zelte auf, denn wir wollen noch zur Tierbeobachtung. Das Gebiet des Vwaza Marsh Wildlife Reserve ist recht klein. Rund 960 Quadratkilometer zählen hinzu – aber die sind voller Artenreichtum. Nach ein paar Metern Fahrt kommt uns schon eine Elefantenherde mit 7 Tieren entgegen, die ruhig und gemächlich vor sich hin trottet. Am Seitenrand sind blau-schwarz-gestreifte Fahnen aufgehangen. Der schwarze Balken ist mit einem Gift getränkt. So werden TseTse Fliegen angelockt und gleichzeitig sagen wir mal eingeschläfert.
Auf dem Weg zum Lake Kazumi laufen uns noch einige Antilopen über den Weg, die aber sehr scheu sind und sich direkt verkrümeln. Unten am See lümmelt eine Population Nilpferde. Sie liegen schlammbedeckt wie Felsen am Ufer, vereinzelt sieht man auch welche grasen.
Wir fahren noch ein wenig weiter in den Park und stoßen auf eine Riesenherde Wassebüffel. Kaum halten wir, hört der Herde auf zu grasen und starrt uns alle an – das wirkt ganz schön gefährlich. Einzig die Babys lockern die Situation ein wenig auf. Mit ihrem Babyflausch und Minihörnern versuchen sie auch zu starren. Das sieht wahnsinnig süss aus. Es wird langsam dunkel und so brechen wir wieder zu unserem Lager auf. Morgen geht es um 5:45 Uhr zum Tiere beobachten.
#4 Nyika National Park
Long Way to Nyika
Nach dem Frühstück fahren wir erstmal dieselbe Strecke wie am Vortag. Es sind schon zahlreiche Antilopen unterwegs, die im Morgenlicht grasen. Die Nilpferdchen am See dösen noch, man sieht nur manchmal die Augen oder Öhrchen aus dem Wasser blitzen. Einzig ein großer Hippobulle macht Action und reißt sein riesiges Maul auf um uns zu verjagen.
Wir treten den Rückzug an und machen uns auf den langen langen Weg nach Nyika. Der Nyika National Park liegt auf 2.300m Höhe und ist mit 3.000 Quadratkilometern Malawis größter Nationalpark. Im Herzen des Parkes liegt das Nyika Plateau. Eine atemberaubende Landschaft! Der Weg zum Plateau ist super beschwerlich, es geht hauptsächlich über Sandpisten.
Rettung des Landys
Es geht vorbei an kleinen Dörfern mit gemauerten Häuschen, die ganz hübsch bemalt sind, an Bananen- und Tabakplantagen. Am Straßenrand stehen die Dorfbewohner und winken uns freundlich zu. Wir sind eine echte Attraktion, da sich hierhin normalerweise keine Touristen verirren. Als wir über eine „Brücke“ – bestehend aus 10 mehr oder weniger morschen Holzlatten – fahren wollen passiert das Malheur: Einer der Landys bricht ein und wir müssen erstmal schweres Gerät für die Rettungsaktion aus den anderen Wagen knorkeln. Da alle mit anpacken ist das Desaster bald behoben und es kann weiter gehen. So langsam wird die Landschaft hügeliger, unser Nachtlager liegt auf knapp 2.500 Meter Höhe. Nach dem Staub der Sandpiste freuen sich alle auf eine Dusche. Die ist auch sehr schön, das der Besitzer aber vergessen hat ein wenig vorzuheizen ist sie entweder superheiß oder bitterkalt. Ich entscheide mich für kalt.
Fette Wiesen und Nadelwälder
Da wir noch einen weiteren Tag in Nyika bleiben müssen wir noch nicht einpacken sondern können uns gemütlich auf Pirschfahrt begeben. Wir fahren insgesamt vier Stunden durch das Reservat. Unser erster Stop ist am Lake Kaulime, wo wir leider ein Böckchen beim morgendlichen Trinken stören. Der See ist eingerahmt von Pflanzen und kleinen Bäumchen. Richtig schön.
Weiter geht`s durch kleine Forstgebiete. Es sind viele Holzfäller am Werk, die Holzpaneelen per Hand sägen. Teilweise werden in den Wäldern absichtlich Feuer gelegt, um die Gräser abzuflemmen und so einen guten Dünger für die Bäume zu erhalten. Das ist die romantische Version – die leider auch manchmal schief geht. Die häufigere Variante ist aber, dass die Feuer von Wilderern gelegt werden, um die Tiere aus den Wäldern zu treiben. Wie assi. Die Gegend hier ist wirklich eine atemberaubende Landschaft, die wir ehrlich gesagt so nicht erwartet hätte. Verschiedene Grün- und Gelbtöne, felsige Einschnitte. Man könnte auch irgendwo im nördlichen Europa sein. Nur, dass kein Rind oder Schaf auf dem Hügel steht sondern ein Zebra. Oder eine ganze Zebraherde. Ein kleines Stück fahren wir sogar durch einen Fichtenwald. Hallo? Wir sind am anderen Ende der Welt und ich fühle mich wie damals im Osterurlaub mit meinen Eltern im Schwarzwald. Kurios.
#5 Karonga
Auf auf zum Malawisee
Juhu! Heute geht es zum Malawisee! Nach Karonga, unserer Station am See, sind es Luftlinie nur 50 Kilometer. Durch die bescheidene Infrastruktur müssen wir durch einsames Hinterland fahren. 230 Kilometer – auf Grund der üblen Straßenbedingungen sind acht Stunden Fahrtzeit angepeilt. Yay! Dafür wird man aber durch tolle Landschaft belohnt.
Nach ein paar Stunden Fahrt müssen wir an einem Posten halten, der kontrolliert, ob wir aus Sambia kommen. Es kommt das Übliche: „Hello, how are you?“, „Where do you come from?“, “Where did you come from right now?”, “Where do you go?”, “Which kind of dollars do you have in your country?”, “Can you give me an announcement”. Nun, immerhin wurde die Frage nach dem announcement eingeleitet und nicht direkt im ersten Satz gestellt. Albrecht wiegelt resolut ab und sagt „I don`t do businesses like this!“. Der Polizist lacht und wir dürfen passieren.
Riesenbaustelle mit Riesen-LKWs
Wir erreichen bald eine Riesenbaustelle – die Chinesen bauen eine Teerstraße – und fahren uns einen Nagel in den Reifen. Also alles raus und Ersatzreifen aufziehen. Es geht noch ein gutes Stück weiter durch die Baustelle. An der Abzweigung zu einer australischen Goldmine kommt uns ein Konvoi aus sieben Megalastern aus Tanzania entgegen. Wir versinken in einer Staubwolke und sind begeistert über aller unser Reaktion, die Fenster schnell hochzukurbeln. Zusätzlich fragen wir uns, ob es die LKW überhaupt den Berg hoch schaffen. Später hören wir, dass sich der größte der LKW festgefahren hat und es ein Riesenact war, diesen wieder in Bewegung zu bekommen. Gegen 15:30 Uhr kommen wir in Karonga auf Albrechts Grundstück an.
Zelten bei Meeresrauschen
Es gibt ein kleines Wohnhaus in dem Macnear mit seiner Familie wohnt. Macnear ist der Bruder unseres Kochs Clement. Außerdem ist auf dem Gelände noch ein Toiletten- und ein Duschhaus sowie die Bude von Albrecht. Ein paar Hühner laufen umher oder dösen in der Sonne. Und es gibt ein Schweinchen. Wir schlagen unser Camp in einem Halbkreis auf. Mega. Zelten mit Meeresrauschen im Hintergrund. Wir sind quasi nur ein Gartentörchen von Strand und See entfernt. Natürlich springen wir alle direkt ins Wasser, allerdings könnte es für meinen Geschmack etwas wärmer sein. Abendessen gibt es auf der Terasse direkt am Strand. Supertoll.
Einmal alles!…auf dem Markt in Karonga
Heute steht nichts spezielles an, so dass wir etwas länger schlafen können. Am späten Vormittag besuchen wir den Markt in Karonga. Neue Nahrung muss her. Karonga ist übrigens die größte uns älteste Stadt in Nord-Malawi und oft der letzte Stop von Overland-Touren die nach Tanzania oder Sambia weiterfahren. Der Markt ist etwas weniger busy als der in Mzuzu, aber trotzdem immer noch gut besucht und interessant. Am Anfang des Marktes ist ein Stand der Maiskörner, teilweise ganz oder geschrotet. Ein Eimer kostet 700 Kwacha und ernährt eine Familie etwa eine Woche lang.
Ein Stückchen weiter gibt es etwas ganz Neues: Ein bewachter Fahrradunterstand. 20 Kwacha bezahlen, Holzstück mit Nummer erhalten, beim Abholen wieder abgeben. Fertig.

Wir biegen rechts ein, um nach Lebensmitteln zu schau und landen mal wieder in der Fischabteilung. Diesmal kaufen wir einen Wels und sieben andere Fische. Alles frisch. Ich bin nicht so begeistert, wir haben zwar einen Kühlschrank im Landy, aber man weiß ja nicht, wie lange der Fisch so schon rumgelegen hat.
Schnell gehen wir weg von den Stinke-Fischen und wechseln zum wohlriechenden Gemüse. Dort kaufen wir Tomaten und californische Senfblätter. Außerdem gibt es noch Avocado und Mango vom Obstmarkt. In einer Ecke liegen kleine weiße Häufchen, die wie Baiser aussehen. Es handelt sich aber um gemahlenes und gepresstes Maniok, von dem wir auch ein Eimerchen mitnehmen.
Danach trennen sich unsere Wege. Wir shoppen mit unserer Mitfahrerin schöne African-Style-Tücher und lassen diese direkt in einer Turbo-Schneiderei auf dem Markt umnähen.
Nach dem Marktbesuch fahren wir zurück zu unserer Base am See. Wir gehen schwimmen und hängen ein wenig rum. Clement kocht heute malawisch: Manjokknödel, Milipap, zwei Sorten Fisch, Süßkartoffeln und Senfgemüse. Superlecker!
#6 Livingstonia Mission
Kids Fun beim Schnorcheln in Chilumba
Heute geht es weiter im Programm: wir fahren zur Livingstonia Mission auf rund 1.350 Metern. Doch vorher heißt es noch tanken, Brot und Bananen kaufen. Mittags machen wir einen richtig schönen Stop in Chilumba. Dort gibt es einen ganz feinkieseligen Strand und Felsen. Ein prima Ort zum schnorcheln und Cichliden-Buntbarsche zu sehen. Schon auf den letzten Metern dorthin laufen uns die Kinder aus dem Dorf hinterher und rufen „mzungu, mzungu“. Clement sagt, dass es auf Chichewa „Weiße“ oder „Weißer“ bedeutet. Die Kids haben auf alle Fälle nen Höllenspaß, schwimmen und tauchen mit uns. Unter ohrenbetäubendem Jubel machen wir noch ein paar Bilder, bis ein paar Mütter von dem Trubel angelockt werden und ihre Kids resolut zurückpfeifen.
Livingstonia: Bildung überall
Auch für uns heißt es nun Abschied nehmen. Wir fahren weiter Richtung Livingstonia Mission. Um dort hinzukommen fährt man eine ganz tolle 4×4 Strecke mit etwa 20 Spitzkehren und grandioser Aussicht. Einzig kniffelig wird es, als uns die Ambulanz entgegenkommt und nicht einen Millimeter weiter rechts fahren möchte. Aber alle drei Autos schaffen es und wir kommen sicher an. Die erste Mission in Malawi wurde bereits 1874 gegründet, allerdings erst in Cape Mclear und dann in Bhandawe – beide Orte absolute Malariaherde. Daher ging es nach Livingstonia, da es höher gelegen ist und dort keine Malariamücken vorkommen. Also ein gesundes Klima. Dr. Laws, der Missionar war nicht nur auf neue Kirchenschäfchen erpicht sondern sah die wichtigste Mission in der Bildung. Heute gibt es in Livingstonia ein Krankenhaus, eine Universität, Studentenwohnheime und Schulen. Wir wohnen im Stone House bzw. campieren davor. Das Haus wurde 1903 nach schottischem Vorbild erbaut und ist hübsch anzusehen. Abendessen gibt es an den zwei schweren Holztischen auf der Veranda. Danach ist noch gemütliches Beisammensein mit live-fernsehprogramm: Einem Lizzard, der eine Motte fangen will, allerdings ohne rechte Chance. Nachdem wir von Flugtermiten überfallen werden treten wir den Rückzug an und verkrümeln uns in die Zelte. Mit Schlafen ist allerdings nichts, da gefühlt 250 Hunde gleichzeitig anfangen zu jaulen.
Das Hundekonzert ging noch ewig und so wachen wir alle ein wenig gerädert auf. Heute schauen wir uns das Missionsmuseum an und gehen hoch zur Kirche, die extra für uns geöffnet wird.
#7 Chinteche
Besuch bei Freaky Abel
Heute geht die Fahrt weiter nach Chintheche, wo wir zwei Tage auf der Campsite des Chintheche Inn bleiben werden. Unterwegs halten wir an einem Häuschen und buchen einen Guide: Abel Nyasulu.
Ein absoluter Freak, wir sind alle schwer davon überzeugt, dass er total bekifft ist, aber wir werden belehrt, dass er immer so ist (Wahrscheinlich immer bekifft). Abel gehört zum Volk der Phoka, die ursprünglich aus dem Norden des Landes kommen und traditionell Bienen halten und Honig produzieren. Auf jeden Fall zieht er sich noch schnell eine Fellmütze an, bevor er uns zur Zuwurufu Hängebrücke begleitet.
Zuwurufu Hängebrücke -nichts für Schisser!
Die Brücke ist die einzige erhaltene, aus Bambus und Seilen geflochtene Hängebrücke in ganz Malawi. Eine überaus wackelige Konstruktion! Sie verbindet beide Ufer des South-Rukuru-River und ist von der Regierung gesponsort. Die Brücke wird vor allem von Schulkindern, Händlern oder Dorfbewohnern genutzt. Früher hing die Konstruktion wohl viel niedriger, wurde aber bei einer Überflutung zerstört und danach neu auf der aktuellen Höhe von fünf Metern angebracht. Der Sage nach hat danach auch noch ein Nilpferd die Brücke entdeckt und ist eingebrochen, so dass sie ein weiteres Mal neu konstruiert werden musste. Ob das so ganz der Wahrheit entspricht…auf jeden Fall ist es eine schöne Geschichte. Wir stehen also nun mit unserem bekifften Guide vor der Brücke und lauschen den letzten Instruktionen: maximal drei Personen, kein langer Aufenthalt, alle warten auf der anderen Seite. Dort treffen wir auf ein paar Schulkinder, die mit uns wieder azurück gehen. Abel singt ihnen ein Lied und hüpft herum. Die Kids klatschen ganz verzückt und sind selig.
Learning how to Voodoo
Wir gehen alle zusammen zurück zum Häuschen, welches sich als eine Art Voodoo-Museum entpuppt. Abel erklärt uns ein wenig wie Voodoo funktioniert. Außerdem zeigt er uns seine Museumsstücke: Zwei Hörner, mit denen Krankheiten oder giftige Bisse ausgesaugt werden können, und ein selbstgebauter Plattenspieler mit Handbedienung. Nach dem Vortrag geht es weiter in ein anderes Häuschen. In der Mitte steht dort eine riesige bauchige Vase, links und rechts zwei teuflisch aussehende Statuen. Auf der Vase ein selbstgebasteltes Pappschild „Donation“. Auf jeden Fall war es eine nette Abwechslung und ein lustiger Typ. Kurz bevor wir losfahren fällt mir noch ein, das in meinem Malawi-Reiseführer ein Bild von einem Phoka-Jungen zu sehen ist. Das zeige ich Abel und er freut sich den Wolf.
Supermarkt auf Malawisch
Wir müssen leider weiter, da wir noch einen Stop in Mzuzu auf dem Markt machen wollen. Dort heißt es wieder einkaufen. Diesmal gehen wir aber zu ein paar Leuten noch ins Dorf und entdecken einen Supermarkt. Es gibt Reis, Nudeln und Nippes, alles aber recht teuer. Ich entdecke Joghurt. Die Charge ist allerdings im normalen Regal eingeräumt und die Deckel wölben sich schon ordentlich. Albrecht sagte, dass Joghurt aktuell der letzte Schrei in Malawi ist, es allerdings in den meisten Läden keine Kühlung gibt. Wir nehmen dann mal Abstand. Der Einkauf geschieht in Windeseile, wir müssen unbedingt aufbrechen, wahrscheinlich werden wir erst im dunklen ankommen.
Die gruseligen Fischer
Die Nacht war kurz…Um 21:00 Uhr sind die ersten Fischer auf den See `rausgefahren und haben so 1-2 Stunden später angefangen ihren Fang zu besingen und betrommeln. Sie rufen ständig irgendetwas, das so klingt wie „Chambo“. Im dunklen wirkt die Szenerie ziemlich abgefahren. Man sieht draußen auf dem See nur die Silhouetten der Boote und Fischer sowie die Sturmlaternen. Fehlt nur noch der Nebel…
Die Stimmen sind durch den Schall so laut, als würden sie direkt neben einem stehen. Am krassesten ist es ganz früh morgens, ich denke es muss so 4 oder 5 Uhr gewesen sein, als die Fischer zurück kommen. Sie knüpfen ihre Boote an den Steg und gehen im Entenmarsch mit ihren dunklen Friesennerzen, riesigen Kapuzen und lampen in der Hand nach Hause. Das hätte megagut in einen Horrorfilm gepasst. Wir sind alle ganz froh, dass wir einen Freizeittag haben und so verbringen alle den restlichen Tag mit schwimmen, gammeln, schlafen und essen.
#8 Kuti Community Wildlife Park
Heute verabschieden wir uns von unserer wunderbaren Campsite und fahren zum Kuti Park, rund acht Kilometer von Salima entfernt. Kuti ist rund 3.000 Hektar groß und ein naturgewachsender Wald. Außer Böckchen und Zebras gibt es noch drei eingezäunte Kamele und zwei Straußenvögel.
Auf dem Weg machen wir noch einen Tankstop in Nkhotakota (oder Kota Kota). Nkhotokota ist –viele Dörfer hier – total zerfallen.
Nkhotokota – früher florierender Handel heute fast verlassen
Früher war Nkhotakota die wichtigste Stadt in Malawi für den Sklavenhandel. Geführt wurde er von Jumbe Salim bin Abdullah aus Sansibar. Es heißt, dass pro Jahr 10.000 Sklaven durch Nkhotakota geschleust wurden. Ein Gedanke bei dem einem ein Schauder über den Rücken läuft – vor allem weil auch heute noch eine Art Handel besteht: Junge Mädchen aus Malawi werden mit Aussicht auf ein besseres Leben als Haushälterin, Kindermädchen o.ä. in die Emirate geschickt. Leider tritt das „Bessere Leben“ seltenst ein und die Mädchen leben unter schlimmen Bedingungen. Ausnutzung und Ausbeutung ist überall allgegenwärtig. Solche Situationen machen einem klar, dass auch wir unser tägliches Handeln oder das was wir kaufen noch mehr hinterfragen sollten.
Die Stadt hat auch heute noch ein wenig orientalischen Touch: es gibt ein paar einigermaßen erhaltene Moscheen und islamisch geprägte Schulen. Ansonsten gibt es nichts. Außer vielleicht noch die Ilala, ein Schiff, das in wöchentlichem Rhythmus mit festem Fahrplan die einzelnen „Häfen“ des Malawisees verbindet. Das Schiff fasst rund 100 Tonnen Fracht und 360 Passagiere. Ob das alles wirklich so eingehalten wird, steht wieder auf einem anderen Blatt. Nach unserer Erfahrung mit Kazungula Ferries in Sambia kann man wohl mit dem Doppelten rechnen. Mittags stoppen wir bei der Nkhotakota Pottery.
Nippes und Äffchen in der Pottery
In der Pottery gibt es Keramik- und Töpferkunst von Locals: Tassen, kleine Teller, große Teller, große und kleine Schüsselchen, Salz- und Pfefferstreuer usw. Ich stehe total auf so nen Kram, aber man beachte: Ich kaufe nichts. Dafür erstehe ich aber ein paar Kettchen und Ohrringe von den lustigen Holzschnitzern vor der Tür. Unsere Mittagspause machen wir gleich um die Ecke an einem schönen Schattenplatz. Wir beobachten ein wenig die Meerkatzen, die sich in den Baumwipfeln tümmeln.
Nach gut einer Stunde geht es weiter. Auf den Straßen ist wie immer recht viel Trubel. Menschen auf Fahrrädern (die übrigens bestens geputzt sind), Frauen, die dies & das auf dem Kopf transportieren, Kinder die winken und ab und an auch mal ein Auto. Unterwegs passiert uns noch ein kleines Malheur: Ein entgegenkommender Bierlaster schlitzt die Plane von „Higgins“ auf. Die Fahrt muss allerdings weitergehen. Im Kuti Wildlife Park schlagen wir erstmal unsere Zelte auf, flicken die Plane und gehen unter romantischen Zirpengrillen schlafen.
#9 Cape MacLear
Mua Mission: Die Geschichte Malawis in Wandmalereien
Als erste Etappe steht heute erstmal Einkaufen auf dem Plan. In Salima ist nicht wirklich viel gebacken, aber es hat einen „Superette“ – Supermarkt, der täglich geöffnet ist. Die eigentliche Zwischenstation ist die Mua Mission. Die Mission wurde von den „vier weißen Vätern“ gegründet. Die katholischen Priester wurden nicht wegen ihrer Hautfarbe so genannt, sondern wegen ihren großen, weißen Gewändern. Einer der Pater ist Kunstliebhaber. Deswegen wurde die Anlage in den letzten Jahren sehr gut in Schuss gehalten.
Es gibt einen botanischen Garten mit Kunstskulpturen, einen Mini-Zoo, eine Kirche und das Ku Ngoni Arts & Crafts Centre, in dem die Schnitzer und Maler der Missionsstadt ihre Werke ausstellen und verkaufen. Insbesondere die Fassadenmalereien am Museum sind sehr beeindruckend, sie stellen die Geschichte Malawis im chronologischen Verlauf dar.
Nach dem Stop braucht es noch ungefähr zwei Stunden nach Cape MacLear.
Warmes, klares Wasser in Chembe
Der Platz wo wir unsere Zelte aufstellen ist sehr hübsch und direkt am Strand gelegen. Die Golden Sands Lodge & Campside selber ist völlig heruntergekommen. Sie wurde in den späten 40ern gebaut, als die Wasserflugzeuge „in“ wurden. In den 70ern pilgerten dann Hippies in die Gegend. Cape MacLear oder Chembe, wie es die Einheimischen nennen wurde quasi in einem Atemzug mit Marrakesch und Kathmandu genannt. Heute kaum mehr vorstellbar. Nichtsdestotrotz befindet sich in Chembe die höchste Lodgedichte am ganzen Malawisee. Das Wasser ist supertoll, gut temperiert und sehr klar. Vereinzelt sieht man Fische. Am späten Nachmittag machen wir eine Felsenwanderung zum Otter Point, dem bekanntesten Punkt in Chembe. Dort gibt es sogar einen Unterwasserlehrpfad. Olaf und ich entscheiden uns morgen noch einmal mit unserer Schnorchelausrüstung zurückzukommen. Später abends machen wir einen richtigen Sundowner mit Bier und rumsitzen.
#10 Liwonde National Park
Leider hat der Unterwasserlehrpfad am Otter Point mehr versprochen als er gehalten hat oder wir waren einfach zu doof ihn zu finden. Wir bleiben also nur kurz und machen uns dann auf in den Liwonde National Park ganz im Süden Malawis.
Artenreichtum am/im Shire River
Anfang der 90er Jahre wurde der Park mit Hilfe der Frankfurter Zoologischer Garten – Gesellschaft und Südafrikas unterstützt, da viele Arten Wilderern zum Opfer gefallen und nahezu ausgestorben waren. Das Projekt hatte drei Phasen. Zuerst wurde der Bereich mit rund 117 km Elektrozaun umzäunt, dann das Camp privatisiert – heute ist es die Mvuu-Lodge (superschön) – und dann einige Tierarten eingegliedert. Es gibt sogar zwei Nashörner, die allerdings zum Schutz vor Wilderern eine 24-Stunden Bewachung haben. Unser Camp liegt direkt am Shire River. Das verspricht viele Hippos und badende Elefanten. Doch erst einmal machen wir noch eine Pirschfahrt über das Gelände. Es gibt viele Vögel, Affen und hier und da die unterschiedlichsten Anilopenarten, die meist in Windeseile ins Dickicht huschen. Je näher wir zum Shire River kommen desto größer wird die Tierdichte. Meine Lieblinge, die Hippos, mampfen Gras und nehmen ein Schlammbad. Meist liegen sie wie kleine Hügel dichtgedrängt und dösen oder essen alleine. Etwas weiter hinten grasen und schlammbaden ein paar Elefanten. Wir beobachten das Schauspiel einige Zeit, bis plötzlich ein Elefant vor unserem Landy auftaucht. Es scheint ein noch etwas jüngerer zu sein, aber trotzdem nicht weniger imposant. Wir machen schnell den Motor aus und warten ab, bis er die Straße überquert hat. Und das – wie bei allen Elefanten – geschieht seeeehr langsaaaaam. Nachdem der Elefant endlich auf der anderen Seite angekommen und so weit weg ist, dass wir safe wieder starten können, ist schon das nächste Problem auf dem Weg: der Rest der Herde. Wenn jetzt die restlichen 20 Dickhäuter sich in dem Tempo über die Straße bewegen, sind wir morgen noch nicht angekommen. Wir haben Glück, es kommt erst nur einer näher, der aber noch so weit wegbleibt, dass wir weiter fahren können. Trotzdem eine thrillige Situation!
Nächtlicher Elefanten-Besuch in der Mvuu Lodge zum Ersten
Die Mvuu Lodge ist in drei Bereiche aufgeteilt: Luxus, Normal und Camping. Das Haupthaus ist sehr schön und liegt supertoll mit wunderbarem Blick auf den Shire. Nachdem wir das Camp aufgebaut haben gehen wir erstmal an die Bar und trinken ein leckeres, kühles Bier. Wir genießen die Aussicht auf den Fluss und beobachten die Warzenschweine, die überall nach Futter wühlen. Das Abendessen gibt es wieder auf der Campsite. Danach sitzen wir noch bei Bier, Wein und Gin Tonic zusammen und quatschen ein wenig. Es wird dunkel, aber unsere Camplampen lassen noch die Umrisse der Zelte, Bäume und Gebäude erahnen. Plötzlich hören wir es im Hintergrund krachen und knacken. Unser Guide leuchtet umher und da ist er: ein echter, riesiger ausgewachsener Elefant – etwa zehn Meter von uns entfernt…Im dunklen sehen die Riesen noch massiger aus als im hellen. Wir werden aber sowohl von unserem Guide als auch von Clement beruhigt. Da die Zelte zuerst gestanden haben, würden die Elefanten erstens drumrumgehen und zweitens gäbe es noch ausreichend zu fressen, bevor sie weiterziehen. Nunja, ich stelle mich aber mal trotzdem auf eine schlaflose Nacht ein. Clement hat Riesenspass und sagt noch freundlich grinsend: „Dont worry, it won’t be the only one“. Na super. Und natürlich hatte er recht. In der Nacht kamen noch drei weitere Elefanten an unseren Zelten vorbei. Sie gehen lautlos. Man hört sie nur, wenn sie fressen. Und das machen sie besonders geräuschvoll und lange. Viel Schlaf gibt es also nicht. Aber morgen ist ein neuer Tag.
Auf Bootstour im Liwonde National Park
Beim Frühstück werden erstmal die Elefantengeschichten der Nacht erzählt. Um 8:00 Uhr geht es zum Bootsanleger der Lodge, wir machen eine Boat-Safari auf dem Shire-River. Es ist ein kleines Bötchen mit Guide. Er bringt uns zu den Hot Spots des Flusses. Schon bald sehen wir die ersten Böckchen und Hippos. Zwischendrin ist unser Bootsfahrer ein wenig unaufmerksam. Fast fährt er ein Hippo über den Haufen. Dieses findet die Aktion nur mäßig gut – es regt sich tierisch auf und strampelt wie ein Irrer. Was für eine Wasserverdrängung. Doch so schnell es sich aufregt hat, regt es sich wieder ab, also alles gut.
Als nächstes fahren wir in eine Bucht, in der schon eine recht große Elefantenherde das Essen und Baden begonnen hat. Es sind große Bullen dabei aber hauptsächlich Kühe und kleine. Sehr niedlich. Wir sind so nah dran, dass wir sogar hören, wie beim Trinken das Wasser in die Kehle läuft. Hört sich an wie eine Klospülung. „Wooooosh“. Mit einem Mal Rüssel füllen schafft ein Elefant zehn Liter. Wow! Auf dem Rückweg treffen wir wieder auf eine Gruppe Hippos. Der Shire bietet eine riesige Hippo-Population. Auf einen Kilometer kommen 25 Nilpferde. Viele kleine, dicke, graue Knubbel. Zahlreiche große und kleine Krokodile lassen sich auf dem Shire treiben. Sie sehen im Wasser oft aus wie treibende Baumstämme. Aber an Land.. hm… An einer Stelle wuselt sogar ein Nilwaran herum. Unsere Bootsfahrt dauert knapp drei Stunden. Dann geht es zurück zur Lodge, wir duschen und essen unseren Mittagssnack. Nachmittags gehen wir in die Bar und fläzen uns die superbequemen Sessel.
Bao-Spiel und Riesenbaobab
Clement ist heute auch mit dabei und wir quatschen ein wenig. Er zeigt mir das Bao-Spiel. Es wird auf einer Art Holzbrett gespielt, das auf jeder Seite 14 Aushöhlungen hat. Als Spielsteine nimmt man Samen oder getrocknete Bohnen. Es ist ein sehr strategisches Spiel mit dem Ziel, die Steine des anderen „aufzufressen“. Da Clement mir die Regeln WÄHREND des Spielens erläutert, verliere ich natürlich haushoch und er freut sich den Wolf. Um 15:00 Uhr machen wir uns auf zur Pirschfahrt. Da nicht alle mitkommen, fahren wir nur mit einem Auto, Olaf und ein ebenfalls fotografieverrückter Mitreisender sitzen auf dem Dach. In der Dämmerung sind wieder viele Tierchen unterwegs: Böckchen, Elefanten, Hippos und und und. An einer Stelle mit einem Riesenbaob halten wir an und dürfen sogar aussteigen. Just in diesem Moment kommt auch die Fähre oder besser gesagt das Boot an, das Menschen – und Fahhräder – von der einen Seite des Shires zur anderen bringt. Wir beobachten das bunte Treiben ein wenig und machen uns nach einer knappen Stunde wieder auf dem Heimweg.
Nächtlicher Elefanten-Besuch in der Mvuu Lodge zum Zweiten
Wir hofften auf eine ruhige Nacht. Weit gefehlt. Natürlich kamen erneut Elefanten vorbei. So nah, dass man sogar das schmatzen und grummeln hören konnte. Am Morgen sah man dann das ganze Ausmaß: der frisch aufgestellte Zaun der Lodge erneut niedergetrampelt und der halbe Platz war verwüstet. Glücklicherweise sind die Elefanten tatsächlich an allen Zelten vorbeigegangen. Trotzdem reicht es jetzt aber erstmal mit Thrill. Heute packen wir ein, denn es geht auf das Zomba Plateau.
#11 Zomba Plateau
Es ist ein riesiger grüner, erfrischender Wald mit Baumfarnen, mexikanischen Pinien, Zypressen, Mulanje-Zedern kleinen Bachläufen und Wasserfällen. Wir machen noch einen Einkaufsstop in Zomba und fahren dann hoch auf das Plateau zur Kuchawe Trout Farm. Auf dem Gelände der Forellenfarm liegt der sehr idyllisch gelegene Campingplatz: Mitten auf einer Lichtung mit plätscherndem Bach. Außerdem gibt es ein kleines Häuschen mit Strohdach und einen Tisch mit vier Stühlen. Neben uns grillt eine Familie aus den Emiraten mit ihren zwei Köchen und vier Nannys. Nachmittags machen wir einen geführten Walk zu den Williams Falls.
Watch out for nature
Auf dem Weg bekommen wir einige wichtige Instruktionen von Albrecht. Hier gibt es wohl eine Ameisenart, die „beißen“ – was laut seiner Aussage ordentlich zwiebelt. Diese Ameisen laufen immer in einer Straße. Sobald man auf diese Straße tritt, greifen sie an. Bedeutet: Sie verteilen sich in Windeseile unter der Hose bis hoch zum Hosenbund und beißen sich fest, so dass man sie einzeln von der Haut pflücken muss. Klingt unangenehm, daher heißt das Gebot für heute: Immer auf den Boden gucken.
Misses Krabbenfischerin
Es ist angenehm kühl. Auf dem Weg treffen wir eine Krabbenfischerin, die einen Stock mit Wurm ins Wasser hält, um so die Krabben anzulocken. Stolz präsentiert sie uns ein paar gefangene Exemplare.
Rund zwei Stunden sind wir unterwegs. Wir treffen viele Leute, die uns Steinchen oder Früchte verkaufen wollen. Zurück im Camp sitzen wir bis spät in die Nacht richtig nett am Lagerfeuer zusammen und quatschen.
Angriff der Killer-Beißameisen
Beim letzten Gang ins Bad passiert mit dann das Malheur: Ich trete in eine Ameisenstraße. Leider merke ich das erst, als ich wieder am Zelt bin. Es piekst und brennt unter meinen Klamotten. Wie eine Irre roppe ich mir die Hose vom Leib und versuche so gut es geht alle Viecher loszuwerden.
Nachts passiert dann die nächste Katastrophe: Olaf wird von einer Beißameise ins Augenlid gebissen. Er flippt vollkommen aus: Maglite-Flutlicht an, Zelt ausleuchten, absuchen, alles rausräumen, mir jede gefundene Ameise unter dies Nase halten – und das alles um 4:00 Uhr nachts. Nach gut einer Stunde hatte es sich ausgeameist und ich kann endlich pennen. Dafür fängt es nun an zu regnen. Leider fiel mir erst beim Aufwachen ein, dass ich meine Klamotten vor dem Zelt hab liegen lassen. Olaf platzt vor glückseliger Schadenfreude. Super

#12 Mulanje Gebirge
Über Stock und Stein zu den Wasserfällen
Heute geht es weiter ins Mulanje-Gebirge. Ein schroffes, steiles Granit-Massiv. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch das größte Teeanbaugebiet Malawis.
Wir sehen riesige knallgrüne Teeplantagen. Heute übernachten wir in der CCAP Mission. Es ist wieder ein wenig kühler und es regnet auch sehr bald nach dem Zeltaufbau. Ich sehe schon unsere Wanderung um 15:00 Uhr schwinden. Das wäre echt schade. Es nieselt aber nur ein bisschen, so dass unsere geplante Tour stattfinden kann. Mit Guide sind wir nun zu acht. Die meisten haben wohl die 2,5 Stunden abgeschreckt. Unser Guide heißt George. Wir latschen eine ganze Zeit nebeneinander und unterhalten uns. Er fragt mich ob ich Lehrerin oder Ärztin sei. Anscheinend sind die meisten Europäer, die nach Malawi kommen diesen Berufsgruppen zuzuordnen. Er erzählt mir, dass er mit Mutter und Tante zusammenlebt und er total jeck nach Fußball ist. Der Walk zu den Wasserfällen ist trotz des recht frischen Klimas ordentlich anstrengend. Klar, es geht ja auch die ganze Zeit bergauf. Unser Stop ist an einer felsigen, dadurch etwas schwer zugänglichen aber totidyllischen Stelle mit Wasserfall und großem Pool zum schwimmen. Das lassen wir allerdings sein, da das Bachwasser doch recht kalt ist. Wir pausieren und machen ein paar Bilder. Dann geht es wieder zurück. Bergab – jedoch nicht weniger anstrengend als auf dem Hinweg.
#13 Lengwe Nationalpark
Die Nacht war wieder sehr regnerisch, so dass das Zelt morgens klamm und fies ist. Beim rausfahren halten wir noch an einem kleinen Holzschnitzermarkt. Es gibt vor allem kleine Schüsselchen und Schächtelchen aus Zedernholz. Riecht wie Mottenkugeln. Ich kaufe ein kleines Weinregal und zwei Mini-Schüsseln. Es dauert etwas länger als geplant, so dass Albrecht uns zusammenpfeift.
In Mulanje machen wir noch ein paar Einkäufe, vor allem Getränke wie Bier und Wein. Die Fahrt führt uns durch den Ort Blantyre – mit 700.000 Einwohnern die größte Stadt Malawis – in den Lengwe Nationalpark (887 qm2) direkt an der Grenze zu Mosambique.
Abendliche Nyala-Herde
Der Park ist besonders für die Nyala-Antilopen und das Livingstone-Suni, eine klitzekleine Antilopenart, bekannt. Besonders spannend ist auch die Anfahrt: Vorbei an riesigen Zuckerroherfeldern und über eine Straße aus Melasse – entsprechend glitschig bei und nach dem Regen. Das Besondere am Lengwe ist außerdem, dass die Tierbeobachtung von einem Hochstand am Wasserloch aus stattfindet.
Um 16:00 Uhr fahren wir zum Wasserloch. Vom Parkplatz muss man noch ein wenig gehen, damit die Tiere nicht so arg gestört werden. Im Hochstand gibt es Sehschlitze mit besten Blick. Schon als wir ankommen sehen wir einen Nyala-Bock mit riesigem Gehörn, grauem Fell und einem weißen Strich auf dem Rüken, den er als Kamm aufstellen kann. Zu dem Bock gehören eine Vielzahl Nyala-Kühe, die artig aufgereiht am Wasserloch trinken. Es ist ein Kommen und Gehen. Wir sehen noch Impalas, Äffchen und lustige Warzenschweine…
Zum Sonnenaufgang ans Wasserloch
Eigentlich wollten wir zum Sonnenaufgang ans Wasserloch. Durch unsere Trödelei wird es allerdings nichts. Unser Camp wurde von einer Gruppe Affen besucht, und es war einfach zu schön diese zu beobachten. Trotzdem sehen wir am Wasserloch eine Herde Nyalas, rumtollende Äffchen und einen Nilwaran. Zur Info: dies alles hat sich VOR 6:45 Uhr abgespielt. Wirklich!
#14 Senga Bay
Es gibt Spiegel, Baby!
Heute geht es über Blantyre nach Senga Bay, nochmal im See schwimmen. In Blantyre tanken wir und wollen das Auto reparieren. Albrecht ist aufgefallen, dass es einen Spannungsabfall gibt. Nach einigem hin und her und Einmischung von Local Profi- und Hobbymechanikern einigen wir uns darauf, dass es ziemlich sicher die Lichtmaschine ist, wir aber trotzdem weiterfahren. Die City von Blantyre ist eigenlich recht nett. Es gibt Geschäfte , die auch nach Geschäften aussehen- und Einkaufszentren. Da es sehr hügelig ist, sieht man zwischen den Bäumen immer quietschbunte Häuser hervorblitzen.
In Senga Bay wohnen wir auf der Campsite des Sunbird Livingstonia Hotels. Eine riesengroße Anlage mit Toiletten, Duschen, wohltemperiertem fließend Wasser und….Spiegeln im Badezimmer! Wie man sich doch über Kleinigkeiten freuen kann.
Der Ort ist sehr touristisch angelegt. Die reichen Malawianer aus Blantyre und Lilongwe haben hier Ferienhäuschen mit Privatstrand, so dass viele Einheimische gar keine Möglichkeit mehr haben an den Strand zu kommen. Das Gefälle zischen Arm und Reich merkt man hier besonders. Hohe Kriminalität, Überfälle, überall Warnungen, dass man die Anlagen nicht verlassen soll.
Das Wasser hier unten im See ist wider Erwarten allerdings sehr kalt, so dass ich eine lauwarme Dusche bevorzuge. Wir gammeln an der Bar, lassen unsere Handys laden und trinken „Kuche-Kuche“ ein lokales Leichtbier.
Es ist ein schöner Platz hier mit breitem Sandstrand und Felsen auf der linken Seite. Wir sind für uns alleine. Klar – ist ja auch alles umzäunt und bewacht. Wir sitzen wie jeden Abend nach dem Essen noch ein wenig zusammen und quatschen. Heute aber bekommen wir aber noch Besuch von einem LKW, der mit Riesengetöse nicht einmal 30 Zentimeter neben dem Zelt einer Mitreisenden hält. Wir lachen uns schlapp…Der Fahrer und ein paar Helfer laden drei Megagrills und Holzstangen aus. Das Equipment ist für eine Hochzeit, die in wenigen Tagen stattfindet. Mit dem Holzgestänge werden die Übernachtungsmöglichkeiten für die Hochzeitsgäste gebaut.
Bootstour zum Lizzard Island
Heute ist wieder ein Gammeltag. Wir rufen mal zu Hause an und beschäftigen uns ansonsten mit Schwimmen, trocknen, essen, rumliegen, schwimmen, trocknen, essen, rumliegen. Mittags wollen wir zu Lizzard Island, eine Insel rund 1,5 Kilometer von unserem Strand entfernt. Es gibt dort wohl Nilwarane, Fischadler und man soll gut schnorcheln können. Vorher handeln wir noch ein wenig den Preis aus und einigen uns schließlich auf 15 Euro und 20 Dollar. 10 Euro will er als Anzahlung haben, um Petrol zu kaufen. Hm… mal sehen ob das kein Nepp ist…
Falsch gedacht: unser Boot kommt pünktlich zur vereinbarten Zeit. Es ist sogar noch ein Fahrer dabei. Nach kurzer Zeit kommt uns ein furchtbar fischiger Geruch entgegen. Charly der Guide erklärt uns, dass es eigentlich kein Fischerboot ist, es aber zufälligerweise und gerade gestern zum Fischen verwendet wurde. Für Olaf wird also die Fahrt zur Tortur. Er hasst Fisch wie die Pest…
Viele kleine bunte Fische
Wir brauchen rund 20 Minuten zur Insel. Lizzard Island ist eine Felseninsel und bekannt für seine Warane und Adler. Zum Schnorcheln fahren wir erstmal auf die Rückseite der Instel. Das Wasser drumherum ist sehr klar und man sieht die Fischlein ohne überhaut unter Wasser sein zu müssen. Es gibt kleine und mittelgroße, mit Punkten, Streifen und in allen Farben der Welt. Zum trocknen klettern wir mit Charly ganz nach oben. Ich natürlich bombe vorbereitet in FlipFlops. Das geht mehr schlecht als recht so dass ich mich doch recht schnell dazu entscheide Schuhe Schuhe sein zu lassen und barfuß zu gehen. Auf halber Strecke raschelt es plötzlich neben uns und irgendwas flitzt in Windeseile davon. Charly bestätigt uns, dass es ein Waran war. Schade, zu schnell. Oben angekommen beobachten wir das Treiben auf dem See: Fischer in ihren Einbäumen, einen Seeadler in Aktion und ein Seeadlerbaby, das seine ersten Flugversuche macht. Es geht eine angenehme Brise dort oben. Charly erzählt, dass er Jura studiert und nächstes Jahr in Norwegen verbringen wird. Er kennt Angela Merkel, mag Malawis Präsidenten nicht und schon gar nicht Mugabe – sein Vater stammt aus Zimbabwe. Jeden Morgen geht er 45 Minuten lang joggen. Er findet mein T-Shirt toll und will es haben. Er scheint ein komisches Bild von seinem Körperbau zu haben. Zwischen uns liegen schätzungsweise 4-5 Kleidergrößen. Irgendwann sieht er es ein und lacht sich schlapp. Um ca. 17:00 Uhr fahren wir zurück.
Abschiedsessen im Sunbird
Heute Abend haben wir Abschiedsessen im Sunbird Hotel. Die Karte ist recht international: es gibt Steak, Pizza, Salate, Fisch, Pasta. Ich habe total Lust auf Salat und bestelle einen Greek Salad für 1.200 Malawische Kwacha (MK). Zum Vergleich: das Glas Rotwein kostet 1.000 MK. Wahnsinn! Als Hauptgericht gibt es für mich ein Chambo Senga Bay mit Tagliatelle – also Fischstückchen mit roter Soße – MEGALECKER! Ich futter den ganzen riesen Teller leer. Olaf hat Gemüsesuppe und Pizza, ist aber nur halb zufrieden. Ein besonderes Erlebnis ist noch unsere Bezahlprozedur, die eine ganze Stunde dauert. Wir entscheiden uns noch was an die Strandbar zu gehen. Da diese schon geschlossen hat, pilgern wir zurück an die Hotelbar. Heute ist unsere letzte Nacht im Zelt. Man wird fast schon ein wenig sentimental.
#15 Abschied in Lilongwe
Auf dem Heimweg
Heute Morgen das letzte Mal Sonnenaufgang in der schönen Kulisse des Malawisees. Die Stimmung ist gemischt. Ein paar wollen so schnell wie möglich nach Hause, ein paar sind aber traurig, dass es schon vorbei ist. Als wir loswollen haben wir ein Problem: Freddy springt nicht an. Das bedeutet: alle aussteigen, den Wagen den abschüssigen Teil des Geländes runterschieben und hoffen das er anspringt. Wir haben Glück und können weiterfahren. Wir brauchen rund 2,5 Stunden nach Lilongwe zu unserem Ausgangscamp. Die meisten der Mitreisenden verabschieden sich, da es für sie bereits zum Flughafen geht. Olaf und ich bleiben noch eine Nacht in einem Boutique Hotel. Mit Albrecht essen wir noch zusammen im Café Delight.
Café Delight. Nicht!
Albrecht instruiert uns, dass wir unbedingt eine normale Größe bestellen soll, da die Pizzen in Malawi riesig, dick, fettig und mit Unmengen Käse belegt sind. Olaf bestellt eine Carribean und ich eine Boere-Boers. Beschreibung: Tomaten, Minze, Zwiebeln, Mozzarella. Leider wurde in der Beschreibung das Hackfleisch auf meiner Pizza nicht erwähnt. Hätt ich mir eigentlich denken können. Von Boere zu Boerewors ist gar kein so großer Weg. Wie bescheuert. Olaf erbarmt sich und gibt mir ein Stück seine Veggie-Pizza ab. Das reicht mir auch vollkommen. Diese Pizza ist das fetteste Stück Essen, was ich jemals gegessen habe. Wir nehmen Doggie-Bags mit, die wir aber draußen verschenken. Kurz darauf kommt der Kellner auf uns zugerannt und behauptet, wir hätten zu wenig Geld dagelassen. Albrecht wird sauer. Wir hatten sogar ordentlich Tip gegeben. Die Situation ist ziemlich abgefahren: Albrecht und der Kellner fluchen wild durcheinander und fuchteln rum, bis wir schliesslich abrauschen und uns der Kellner wohl zum Teufel wünscht. Alles klar. Pizza essen gehen können wir also morgen abend nicht mehr.
Der Letzte Tag: Madidi Lodge
Unser Hotel, die Madidi Lodge liegt in einem Wohngebiet. Vor allen Häusern dort gibt es bewachte Tore, Mauern mit Stacheldraht, Glassplittern oder Elektrodrähten. Natürlich sind überall Watchmen oder Wachhunde, eine Person, die die Tore auf und zu macht und und und.
Wir fahren vor und gelangen in einen kleinen Hof. Direkt dahinter verbirgt sich ein kleines Gärtchen mit Sitzgelegenheiten, die mit bunten Tüchern abgehangen sind. Kernstück des Gärtchens ist ein Baum mit Tisch rundherum. Fast wirkt es so, als wäre die Lodge um den Baum herumgebaut worden. Hübsch sieht es aus. Wir checken ein und bekommen den Raum „Kudu“ zugeteilt.
Ein großes Zimmer mit Tisch und Stuhl, Bett mit großem Moskitonetz, TV, extra Schrankraum und Bad mit Dusche. Die Ausstattung hat Flair, ist aber recht einfach. Wir fühlen uns trotzdem sehr wohl und verbringen den kompletten letzten Tag im Gärtchen der Lodge. Morgen geht es schon zurück.
Bye Bye Malawi, it was a pleasure! We will truly miss your nature and warm-hearted people.



































































































































































































































































